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Krankheit & Arbeit

Angebote im Bereich: Krankheit als Katalysator von Organisationsentwicklung

Monia Ben Larbi ist ein quirliger, humorvoller, kreativer und höchst kommunikativer Mensch. Eine Tumorresektion im Kommunikationszentrum ihres Gehirns schränkte jedoch ihre beruflichen Aktivitäten maßgeblich ein. Intensivere Kommunikationsphasen können bei ihr epileptische Anfälle auslösen und zu längeren Ausfällen führen. Ihre Leidenschaft des Lehrens musste sie aufgeben - zumindest in den klassischen Formaten.

Für Monia Ben Larbi war von Anfang an klar, dass ihre Arbeit ein maßgeblicher Teil ihrer Selbstverwirklichung darstellt und eine Rente nicht in Frage kam. Sie begann das Experiment mit alternativen Arbeitsformen, um ihre Möglichkeiten und Grenzen auszutesten. Sie nahm alle Angebote der Rentenversicherung zu beruflicher Rehabilitation wahr (stationäre Reha, Feststellungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen…), versuchte es mit Festanstellungen an einer Hochschule und kehrte schließlich in die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zurück.

Ihr Gespür dafür, was und wie sie im Rahmen ihrer gesundheitlichen Einschränkungen beitragen kann, wurde im Laufe der Zeit immer feiner. Sie lernte ihre Grenzen zu kommunizieren. Und ihre Auftraggeber melden ihr nun sogar zurück, dass sie ihre Balance zwischen zurückgezogenem Arbeiten und relevanter Kommunikation höchst effektiv und bereichernd finden.

Zunehmend zeigen sich in ihrem Leben die positiven Nebenwirkungen der ihr aufgelegten Einschränkungen. Zunächst in ihrer Lehrexpertise: Da klassische Lernsettings, wie Workshops und Vorlesungen, für sie nicht mehr regelmäßig möglich sind, begann Monia Ben Larbi mit Formaten zu experimentieren, die den Gruppen mehr Verantwortung übergeben und verstärkt auf Online-Formate zurückgreifen. Die Lernergebnisse waren überwältigend und sie findet dadurch zunehmend den Mut, ihre scheinbare Behinderung als Entwicklungsbasis für neue Formate zu betrachten.

Der Themenschwerpunkt jedoch, der ihr immer mehr am Herzen liegt, ist die gewinnbringende Integration von Krankheit in Organisationen. Monia Ben Larbi erlebte nicht nur am eigenen Leibe, wie bereichernd dies für beide Seiten sein kann. In den diversen Teams, in denen sie sich bewegt, beobachtet sie, wie Ausfälle durch Burnout einerseits zunehmen und wie selten andererseits die Erfahrungen der Rückkehrenden für die Weiterentwicklung der Organisation genutzt werden. In einer Welt, in der wunderbare Arbeitskräfte immer mehr zur Mangelerscheinung werden, liegt eine Ressource brach: Menschen, die in ihrer Arbeit exzellent sind, jedoch aus unterschiedlichsten Gründen (chronische Erkrankung, erschöpfungsbedingte Erkrankungen, Hochsensibilität …) mit Arbeitsbedingungen nicht umgehen können, die durchaus veränderbar wären.

Monia Ben Larbi arbeitet somit zunehmend mit ihren Auftraggebern an Möglichkeiten, Strukturen an die Menschen statt Menschen an die Strukturen anzupassen. Vor allem aber steht sie Organisationen für tabulose Gespräche zur Verfügung, da Krankheit noch immer sehr viele Empfindlichkeiten auslöst und die offene Kommunikation darüber auf Begrenzungen bei allen Seiten stößt.

Längerfristig träumt sie von einem Organisationslabor (PDF), in dem diese Themen sowohl das Zentrum der Arbeit als auch der Arbeitsweise bilden. Auf ihrer Facebookseite „Gesunde Organisation“ hat sie eine Sammlung zu möglichen Sichtweisen eröffnet.

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